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Neuropelveologie

Katameniale Ischialgie & Ischiasnerven-Endometriose

Marc Possover,
Oktober 1, 2024

Warum zyklischer Ischiasschmerz kein orthopädisches Problem ist

Von Prof. Marc Possover

Wenn Ischiasschmerz Ihrem Zyklus folgt

Viele Frauen leben jahrelang mit schweren Ischiasschmerzen, die kein Arzt erklären kann.
Ihnen wird gesagt, sie hätten ein „Rückenproblem“, ein „Bandscheibenproblem“ oder es sei „nur muskulär“.
Sie versuchen Physiotherapie, Schmerzmittel, Injektionen, manchmal sogar Wirbelsäulenoperationen – und nichts hilft wirklich.

Ein entscheidendes Detail wird jedoch häufig übersehen:

Der Schmerz kommt und geht mit dem Menstruationszyklus.

Er wird kurz vor oder während der Periode deutlich schlimmer.
Danach kann er sich beruhigen – nur um im nächsten Zyklus wiederzukehren, oft stärker als zuvor.

Diese Form des Schmerzes nennt man katameniale Ischialgie – und sie ist keine Erkrankung der Wirbelsäule.

 

Warum Ihr Rücken meist nicht das eigentliche Problem ist

Bei der klassischen Ischialgie wird der Nerv an der Wirbelsäule durch einen Bandscheibenvorfall komprimiert.
Bei der katamenialen Ischialgie ist jedoch in der Regel der Ischiasnerv innerhalb des Beckens betroffen – nicht im Rücken.

Tief im Becken verläuft der Ischiasnerv durch enge anatomische Korridore, in denen er gereizt, entzündet oder sogar von Endometriosegewebe infiltriert werden kann.
Reagiert dieses Gewebe auf die monatlichen hormonellen Veränderungen, entzündet sich der Nerv – genau zum Zeitpunkt des Zykluswechsels.

Da eine Standard-Wirbelsäulen-MRT häufig „unauffällig“ ist, hören viele Frauen:

„Es ist nichts zu finden.“

Doch der Schmerz ist real.

 

Wie Frauen diesen Schmerz beschreiben

Frauen mit katamenialer Ischialgie schildern ein sehr typisches Leidensbild:

Brennende, stechende, elektrisierende Schmerzen, die im Gesäß beginnen und ins Bein ausstrahlen.
Sitzen wird nahezu unmöglich.
Nachts können die Schmerzen unerträglich werden.

Viele bemerken gleichzeitig Blasendruck, Darmbeschwerden oder tiefe Beckenschmerzen – insbesondere rund um die Menstruation.

Diese Symptome sind nicht zufällig.
Sie sind typische Zeichen einer Beteiligung der Beckennerven.

 

Warum so viele Frauen jahrelang undiagnostiziert bleiben

Die meisten Ärzte betrachten bei Ischiasschmerz ausschließlich die Wirbelsäule.
Nur sehr wenige sind in der Diagnostik der Beckennerven ausgebildet.

So bleiben Endometriose der Beckennerven und nervale Engpasssyndrome oft 5, 10 oder sogar 15 Jahre unerkannt.

In dieser Zeit fühlen sich die Betroffenen unverstanden, erschöpft und verzweifelt – während die Erkrankung fortschreitet.

 

Ihr Schmerz hat einen Namen – und eine Ursache

Katameniale Ischialgie ist nicht psychisch,
nicht „nur muskulär“,
und nicht „in Ihrem Kopf“.

Sie ist eine neurologische Erkrankung der Beckennerven, sehr häufig verursacht durch Endometriose.

Sobald dies erkannt wird, wird der Schmerz erklärbar – und behandelbar.

 

Ein anderer Weg der Diagnostik

Die Neuropelveologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich auf die Beckennerven spezialisiert hat.

Durch gezielte neuropelveologische Untersuchung und spezifische Bildgebung lässt sich exakt bestimmen:

  • welcher Nerv betroffen ist
  • wo im Becken die Pathologie liegt
  • und warum der Nerv leidet

Nur so kann die richtige Therapie gewählt werden – statt weiter wirkungslose Behandlungen fortzusetzen.

 

Eine Botschaft an jede Frau, die sich hier wiedererkennt

Wenn Ihr Ischiasschmerz mit dem Zyklus schlimmer wird,
wenn Ihre MRT „unauffällig“ ist,
wenn Ihre Therapien versagt haben,

dann verdient Ihr Schmerz, ernst genommen zu werden.

Ihr Schmerz hat einen Namen.
Ihr Schmerz hat eine Ursache.
Und es gibt einen Weg nach vorn.

 

……… ABER ………

Nicht jede katameniale Ischialgie ist Endometriose

Warum eine „blinde“ Laparoskopie gefährlich sein kann

Nicht jeder zyklische Ischiasschmerz wird durch Endometriose verursacht.

Obwohl zyklischer Schmerz ein starkes Warnsignal für Beckennervenpathologie ist, rechtfertigt er keine sofortige explorative Laparoskopie.
Leider wurden dadurch viele Frauen unnötig – und teils schädlich – operiert.

Jede Operation im Becken erzeugt Narbengewebe.
Narben können Nervenkorridore verengen, Beckennerven reizen und neue chronische neuropathische Schmerzsyndrome verursachen.

Eine schlecht gezielte Laparoskopie kann die Beschwerden verschlimmern statt verbessern.

 

Warum Bildgebung und Laparoskopie fälschlich „normal“ sein können

Im Gegensatz zur Sakralplexus-Endometriose entwickelt sich die Ischiasnerven-Endometriose meist nicht im Nerv selbst, sondern in seinen tiefen intrapelvinen Korridoren.

Diese Bereiche sind extrem schwer darstellbar.

Deshalb schließen eine unauffällige Laparoskopie, Sonographie oder MRT eine Ischiasnerven-Endometriose nicht aus.

Viele Frauen werden fälschlich beruhigt – während die Erkrankung weiterbesteht.

 

Chirurgie darf niemals vor der Diagnose stehen

Die Operationsindikation muss auf einer präzisen neuropelveologischen Diagnostik beruhen – nicht auf einer explorativen Laparoskopie.

Die Neuropelveologie erlaubt eine exakte Kartierung:

  • welches Ischiasnerven-Segment betroffen ist
  • wo die Kompression oder Infiltration liegt
  • ob der Nerv extern gedrückt oder intern infiltriert ist

Nur so kann entschieden werden:

  • ob operiert werden darf
  • welche Nervenkorridore exploriert werden müssen
  • und ob der Nerv selbst eröffnet und dekomprimiert werden muss

Ohne diese Diagnostik ist Chirurgie blind, gefährlich und unvorhersehbar.

 

Ein breiter Nerv mit vielen Funktionen

Der Ischiasnerv ist kein einfacher Einzelstrang.
Er ist ein breiter, hochkomplexer Nerv aus vielen funktionellen Faszikelbündeln mit unterschiedlichen sensiblen und motorischen Aufgaben.

Neuropelveologische Diagnostik zeigt exakt, welche Faszikel auf welcher intrapelvinen Ebene betroffen sind – die Voraussetzung für jede sichere Operation.

 

Kernaussage

Katameniale Ischialgie ist eine neurologische Beckenerkrankung – keine Operationsdiagnose.

Chirurgie darf nur die Folge einer präzisen neuropelveologischen Diagnose sein,
niemals deren Ausgangspunkt.

 

 

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Marc Possover