blog-hero

Online-Blog: Mehr Wissen für Patienten

Einblicke, Erkenntnisse, Erfahrungen. Informieren Sie sich über Wissenswertes in den Bereichen Gynäkologie, Onkologie und Neuropelveologie. Wir bereiten hilfreiche Informationen zu Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten im Patienten-Blog für Sie auf. Kompakt und verständlich.
Übersicht

Mesh Komplikationen

Verletzungen der Beckennerven infolge einer Operation: Schwierige Diagnose, schwieriger Zugang, mangelnde Interdisziplinarität

Marc Possover,
April 17, 2019

Obwohl sich drei verschiedene Fachdisziplinen mit den Beckennerven beschäftigen - Viszeralchirurgie, Urologie und Gynäkologie - und sich Neurologen und Neurochirurgen auf die Behandlung von Nervenschädigungen des Gehirns und des Rückenmarks spezialisiert haben, haben sich die Diagnosestellung und die Therapie bezüglich der Beckennerven bislang kaum entwickelt. Während die meisten peripheren Nerven relativ oberflächlich und bei einem operativen Eingriff gut erreichbar sind, liegen die Beckennerven tief, ventral des Os sacrum (Kreuzbein), hinter dem Mastdarm und den iliakalen Gefässen verborgen. Somit sind sie für neurologische Untersuchungen und operative Eingriffe quasi unerreichbar. Die Pathologie der Beckennerven, vor allem der somatischen Beckennerven, ist noch ein in der Medizin unbekannter Sektor. „Beckenspezialisten“ befassen sich mit den Erkrankungen der Beckenorgane und nicht der Beckennerven; während Neurologen und Neurochirurgen sind zwar mit den Nerven beschäftigen, nicht aber mit denen des Beckens.

Dazu kommt, dass Nervenverletzungen nach Operationen, wie z.B. Mesh-Implantationen, meist nicht erkannt werden, bzw. erkannt werden müssen.

Die betroffenen Frauen und Männer werden lange Zeit mit ihrem Schicksal und ihrem Leid alleingelassen. Sie stecken in einer dauerhaften Spirale von Arztbesuchen fest und werden psychotherapeutisch und medikamentös mit Schmerzmitteln und Antidepressiva behandelt, ohne dass eine Therapie daraus resultiert, die die Ursache in Angriff nimmt.

Die Neuropelveologie: Neue Wege für die Diagnose und Behandlung der Beckennerven

Die Neuropelveologie füllt als neue, kombinierte Disziplin diese Lücke. Die Neuropelveologie befasst sich mit der Diagnose und der Behandlung der Beckennerven und des Plexus. Für die Diagnosestellung der Pathologie der Beckennerven nutzt die Neuropelveologie unterschiedliches Wissen verschiedener Fachrichtungen auf deren etablierten Vorgehensweisen.

Vielen betroffenen Frauen mit starken Nervenschmerzen ungeklärter Ursache wird durch die Neuropelveologie eine Therapie ermöglicht, die nicht nur Schmerzsymptome behandelt, sondern die Krankheit selbst. Denn der neuropelveologische Ansatz macht den Weg frei für die Diagnose der wahren Ursache, die die Schmerzen auslöst.

Da die Neuropelveologie eine junge medizinische Fachdisziplin ist, befassen sich weltweit noch relativ wenige Gynäkologen, Chirurgen und Urologen, Allgemeinärzte und Schmerztherapeuten mit diesem Ansatz. Folglich bleibt auch die Endometriose des Ischiasnervs viel zu oft unerkannt. Leider ist den Betroffenen dadurch die Chance auf eine heilende Behandlung verwehrt. Dies ist jedoch im Begriff, sich zu verändern, denn aufgrund des zunehmend hohen Interesses an dieser neuen Fachdisziplin wurde 2014 die International Society of Neuropelveology gegründet. Die Gesellschaft ist inzwischen global vertreten und bietet eine zertifizierte Ausbildung in der Neuropelveologie an.

Die Diagnose von Erkrankungen der Beckennerven in 5 Schritten

Zertifizierte Neuropelveologen kennen sich mit der Erkrankung der Beckennerven aus und haben ein gezieltes Training in der Chirurgie dieser Beckennerven durchlaufen (zertifizierter Neuropelveologe ISoN-Level 3). Anhand der Symptome kann ein solcher geschulter Arzt eine Diagnose einfach und ohne grossen Aufwand stellen. Je mehr Symptome und Fehlfunktionen vorhanden sind, desto einfacher und sicherer ist sie. Wichtig ist das Bewusstsein, dass die Schmerzen am Ende der Nerven empfunden werden, also an den Beckenorganen oder an den Nervenenden des unteren Nervengeflechts im Rücken, bzw. Becken, bis hin zum Fuss, während die Ursache irgendwo auf den Nervenbahnen zum Gehirn zu finden ist. Die neuropelveologische Diagnose umfasst

  1. Die exakte Erfragung der Krankheitsgeschichte, sowie
  2. eine Abtast-Untersuchung und eine
  3. Ultraschall-Untersuchung der Beckennerven auf vaginalem, bzw. rektalem Weg. Auch die mögliche Ursache wird über
  4. die Krankheitsgeschichte, bzw. mittels eines Neuro-MRT eruiert.
  5. Die Bauchspiegelung wird schliesslich zur endgültigen Bestimmung, bzw. Bestätigung der Ursache und zugleich zur Behandlung der Nervenerkrankung eingesetzt.

Verwandte Themen

Marc Possover